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Wie „das“ zu schaffen ist

Freiwillig Engagierte in der Flüchtlingshilfe im Hochtaunuskreis erarbeiten Leitbild

Hochtaunus. Austauschen können sich die Mitglieder dieser Initiativen im Arbeitskreis Flüchtlinge im Hochtaunus, einem Gremium, das sich vier bis sechs Mal im Jahr unter der Moderation von Tobias Krohmer vom Evangelischen Dekanat Hochtaunus trifft, um die wichtigsten Fragen rund ums Thema zu besprechen.

Auf Initiative von Krohmer und seinem Kollegen Christoph Diringer vom katholischen Bezirk Hochtaunus wurde im Arbeitskreis Anfang des Jahres ein Leitbildprozess gestartet. Ziel war es, eine Orientierungshilfe für das freiwillige Engagement in der Flüchtlingsarbeit zu entwickeln. Denn da wo viele unterschiedliche Menschen tätig sind, gibt es auch viele unterschiedliche Vorstellungen, Ziele und Motive. Damit daraus keine Konflikte erwachsen, wurde der Versuch unternommen, diese unterschiedlichen Vorstellungen, Ziele und Motive auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

Und der Versuch ist gelungen. Unter dem Titel „Für andere – für einander – für uns“ beschreibt das Leitbild Maximen für die Gestaltung der unterschiedlichen Beziehungen, in denen sich Ehrenamtliche in ihrem Engagement bewegen. Die wichtigste unter diesen Beziehungen ist natürlich die zu den Geflüchteten selbst, aber auch die Beziehung der einzelnen Initiativen untereinander oder zu politisch Verantwortlichen sowie zur Wirtschaft werden beleuchtet. Auch wird darauf geschaut, was für ein gesundes Verhältnis eines/einer jeden Engagierten zu sich selbst vonnöten ist.

Dem Leitbild, das in intensiven Diskussionen zunächst in einer vorrangig aus Freiwillig Engagierten bestehenden Arbeitsgruppe und dann im Plenum des Arbeitskreises Flüchtlinge im Hochtaunus entwickelt wurde, sind bereits zehn Initiativen aus den Kommunen des Hochtaunuskreises beigetreten. Fünf aus dem Vordertaunus und fünf aus dem Usinger Land. Weitere Gruppen befinden sich noch im Entscheidungsprozess.

Die Zeit und den Raum dafür wollen die Initiatoren ihnen auch gern lassen. Wichtig sei, dass man sich mit den Inhalten des Leitbildes identifiziere. „Und selbst wenn sich eine Initiative explizit gegen das Leitbild ausspräche“, sagt Diringer, „müsste man das als etwas Positives betrachten.“ Denn es würde zeigen, dass man sich zumindest sehr genau mit der eigenen Haltung auseinandergesetzt habe. Und das sei für das freiwillige Engagement letztlich auch ein Gewinn.

Krohmer hofft, dass das Modell Schule macht. Wünschenswert wäre seiner Meinung nach, wenn man den Prozess unter Einbeziehung der Sozialen Träger und der Verwaltung auf Kreisebene wiederholen würde. „Damit wir ’das’ wirklich schaffen, wäre eine gemeinsame Orientierung von Ehrenamt und Hauptamt äußerst wünschenswert“, so Krohmer. „Man würde so auch eine Allianz derjenigen schmieden, die es schaffen wollen.“ Denjenigen, die Sorge haben, ob es überhaupt zu schaffen ist, würde so ein ermutigendes Zeichen geben, während man diejenigen, die geradezu ein Scheitern herbeizusehnen scheinen, den Wind aus den Segeln nehmen könnte.