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Man muss auch mal Nein sagen können

Da Alter bekanntlich vor Torheit nicht schützt, gehört es zum Reporterleben auch jenseits der 50, Dinge hautnah spüren zu wollen, um anschließend anständig darüber

schreiben zu können.

Beispiele aus meinen letzten zehn Jahren bei ULE gibt es genug: Der Tandemsprung aus 3000 Metern Höhe über Neu-Anspach, die Fahrt mit Tempo 50 auf einer satten (von TZ-Redaktionsleiter Andreas Burger für den Test zur Verfügung gestellten) BMW durch die Applauskurve, das allzu frühe Aus als Kandidat beim hr-Quiz „Wer weiß es?“ oder die andauernden Drehpausen für den Komparsen beim Kinofilm „Doktorspiele“ – allesamt wunderbare Erlebnisse bei denen man interessante Menschen trifft.

Vom Tandemmaster, dem man nach 10 Minuten sein Leben anvertraut über Schauspieler, Sportler oder Musiklegenden wie Udo.. Schöne Geschichten eben.

So wie das Journalistenleben ohnehin ein Stück Sonnenseite mit sich bringt. Nicht nur, aber auch. Weil der Reporter überall hinkommt, wo nur den wenigsten der Zugang gestattet ist. Hinter die Kulissen eben. Und dann kann man versuchen, die Leser irgendwie dahin mitzunehmen. Und hin und wieder gelingt es sogar, die eigenen Träume wahr werden zu lassen. Oder es zumindest zu versuchen. Etwa einmal unter der Zirkuskuppel durch die Luft zu schwingen wie Horst Janson in Salto Mortale mit großer Geste den Abgang ins Netz zu zelebrieren.

Was ich gnadenlos unterschätzt habe, war nicht der freie Fall, sondern der kräftezehrende Weg nach oben. Nach sieben von zehn Metern sagten denn auch Kopf und Bauch: Bis hierhin und keinen Schritt weiter.

Merke: Man muss auch mal

Nein sagen können.