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Geschichtsheft für den Geigerkönig – Usingen gedenkt 2008 dem 100. Todestag von August Wilhelmj:

Usingen. Die Wilhelmjstraße führt direkt am Rathaus vorbei bis hinunter zur Frankfurter Volksbank, wo einst das Geburtshaus von August Wilhelmj aus Usingen stand. Wer sich nun fragt, wer dieser August Wilhelmj war, für den dürfte das Jahr 2008 besonders interessant sein. Der Geschichtsverein Usingen ruft diesen besonderen Mann nämlich ins Gedächtnis, nach dem die Wilhelmjstraße benannt ist, und gedenkt seines 100. Todestages.

Besonderen Aufschluss gibt das Usinger Geschichtsheft, dessen 7. Ausgabe einzig dem Usinger Geigerkönig August Wilhelmj gewidmet ist.

„Dabei sind wir eigentlich nur zufällig über August Wilhelmj gestolpert“, weiß Heribert Daume, Vorsitzender des Geschichtsvereins. Das war in Frankfurt in einem Violinkonzert, bei dem auch eine Stradivari gespielt wurde. Und der Name „Stradivari“ führte den Vorsitzenden auf ein paar Umwegen auch zu August Wilhelmj. Denn auch dieser spielte eine Zeit lang eine dieser besonders wertvollen Geigen auf seinen Konzertreisen.

August Wilhelmj erblickte am 21. September 1845 das Licht der Welt. Sein Vater, August Wilhelm Wilhelmj (1813) arbeitete erst als Assistent, dann als Prokurator am Hof- und Appellationsgericht Wiesbaden, das 1832 vom Herzog von Nassau nach Usingen verlegt wurde. Dort lernte August Wilhelm Wilhelmj seine Frau Charlotte Petry kennen, die er 1843 heiratete. Bereits seine Eltern waren sehr musikalisch, wie die Geschichtsakten des August-Wilhem-Archivs in Usingen belegen. Der Vater spielte Geige, die Mutter Klavier. Die musische Begabung vererbte das Ehepaar auch an seine beiden Söhne Albert, der bereits 1844 zur Welt kam, und seinen jüngeren Bruder August Wilhelmj. Lange konnte August Wilhelmj indes nicht in den Usinger Gassen spielen, denn 1849 wurde das Hof- und Appellationsgericht wieder zurück nach Wiesbaden verlegt und die Familie musste umziehen. In Wiesbaden bezogen die Wilhelmjs die Louisenstraße 13, in der viele angesehene Künstler Gast im Hause Wilhelmj waren und eine Umgebung für den kleinen August entstand, die sein Talent förderte. „Dass der Prokurator Wilhelmj seine beiden Söhne recht frühzeitig instrumental ausbilden ließ, ist verständlich, und dass er dabei August der Geige zuführte, soll ein Zufall gewesen sein“, heißt es in dem Usinger Geschichtsheft. Konzertmeister Konrad Fischer übernahm anfangs die Ausbildung von August Wilhelmj, dessen Bruder ihn am Klavier bereits bei kleineren Konzertreisen im Nassauer Land begleitete. „Was damals bereits das Erstaunen der Kunstkenner erregte, war neben dem breiten vollen Ton auf der Geige das äußerst feine musikalische Gehör des Knaben“, heißt es im Geschichtsheft. Ehrgeiz und Fleiß entwickelte der Usinger Bub allerdings offenbar nur beim Musizieren, denn für die Schule konnte er sich nicht begeistern. Sein Vater stimmte daher zu, dass der Junge eine musikalische Berufsausbildung macht, besonders nachdem auch Franz Liszt in Weimar dem Jungen ein überaus großes musikalisches Talent bescheinigt. „Aus dem machen sie mir einen deutschen Paganini“, soll Liszt in seiner Beurteilung gesagt haben.

In Leipzig studiert Wilhelmj am Konservatorium und lebte bei seinem Lehrer Ferdinand David im Haus. Dort lernte er seine zukünftige Frau Sophie, Freiin von Liphart aus Riga kennen und heiratete sie 1866. Aus dieser Ehe stammen die beiden Söhne August und Adolf. Nach seiner Ausbildung beginnt Wilhelmj mit seinen Konzertreisen, bei denen er die ganze Welt bereist und auch Richard Wagner kennen lern, mit dem er gut befreundet war. Die Freundschaft zwischen Wagner und Wilhelmj führte zur Grundsteinlegung des Bayreuther Festspielhauses, bei dem auch August musizierte. Er sollte später der erste Konzertmeister für den Ring der Nibelungen in Bayreuth werden.

Zahlreiche Auszeichnungen heimste Wilhemj auf seiner Weltreise ein und wurde dem Ruf des „deutschen Paganini“ offenbar mehr als gerecht. Nach Usingen kehrte er am 31.Mai 1876 für ein Konzert zurück, zu dem ihm der Magistrat der Stadt die Ehrenbürgerurkunde im Gasthaus zur goldenen Sonne überreichte.

Doch Wilhelmj hatte seinen Wohnort in Wiesbaden gefunden, wohin er nach allen Konzertreisen, die ihn auch nach Asien und Australien führten, immer wieder zurückkehrte.

Lange vor seinem Tod 1908 hatte sich der „Geigerkönig“ allerdings aus dem aktiven Geschehen zurückgezogen, so dass sein Tod in London, anders als sein virtuoses Leben, in der Presse nicht stärker wahrgenommen wurde. Lediglich ein Gedenkstein an der Usinger Volksbank in der Rathausstraße erinnert derzeit allerdings noch an den Geigerkönig August Wilhelmj.