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Die Geschichte einer unbeschreiblichen Frau – Walburga Kliem zu Gast bei den Eschbacher Senioren:

Usingen. „Mich kann man nicht beschreiben. Mich kann man nur erleben“, sagt Walburga Kliem aus Treisberg von sich selbst. Und dass dies stimmt, konnten die Eschbacher Senioren jetzt erfahren.

Die „unbeschreibliche Frau“ war ins Gemeindehaus gekommen, um von ihrer Wanderung nach Potsdam zu berichten. Auf die Idee, zu Fuß von Eschbach nach Potsdam zu wandern, hatte die 48-Jährige das Buch „Der lange Becker“ gebracht. Darin wird berichtet, wie Wolf Becker im 18. Jahrhundert beim Marktgang nach Frankfurt in der Lochmühle einkehrt, dort von Werbern des Soldatenkönigs Wilhelm I. betrunken gemacht wird und im Rausch die Verpflichtung zum Gardisten unterschreibt. In Eschbach weiß niemand, wo Becker ist, bis nach Monaten ein Brief aus Potsdam eintrifft, mit der Nachricht, dass sich der arme Teufel für acht Jahre zu den Soldaten verpflichtet hat. Seine Frau Jeanette beschließt, zu Fuß nach Potsdam zu gehen, um den Soldatenkönig um Freilassung ihres Mannes zu bitten. Ihren kleinen Sohn lässt sie in der Obhut von Verwandten und kommt nach etwa viermonatiger Wanderung in Potsdam an, wo sie beschließt, bis zum Ende seiner Dienstzeit bei ihrem Mann zu bleiben.

Eine Geschichte, die Walburga Kliem nicht mehr losließ. Und so machte sie sich nach monatelanger Planung und ausführlicher Vorbereitung im Mai dieses Jahres auf die Spuren von Jeanette Becker und erreichte Potsdam Anfang Juni.

Die Schilderung ihrer ungewöhnlichen Reise fesselte die Zuhörer ungemein. Flüssig und frei erzählte sie, dass ihr Weg durchaus nicht immer im Sonnenschein verlief. Oft sei sie mit ihrem 16 Kilogramm schweren Rucksack durchnässt im Quartier angekommen. Doch seien ihr die Menschen unterwegs durchweg freundlich, wenn auch oft neugierig und erstaunt und ihren Mut bewundernd begegnet. Einmal habe sie in Thüringen sogar Leute aus Usingen getroffen.

Zwischen den einzelnen Berichten las Walburga Kliem aus ihrem Reisetagebuch einige ihrer Gedanken vor, die sie bei ihren einsamen Wanderungen bewegten.

Am Ende waren sich die Zuhörer einig: „Das war so interessant und keine Sekunde langweilig. Wir hätten gerne noch länger zugehört und wir hoffen, sie kommt mal wieder zu uns.“ mb