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Das Ziel des treffsicheren Eschbachers: Olympia 2012 – Ali Butt zum zweiten Mal Jugend-Hessenmeister im Dart

Usingen. „Er ist unser Juwel“, erklärt Henry Urbano, Abteilungsleiter der Dart-Abteilung bei der Wernborner TG 02. „Er raucht nicht, trinkt nicht, und er hört auf Vater und Mutter.“ So viel Lob ist dem 15-jährigen Ali Butt fast schon peinlich, ein stolzes Grinsen kann er sich dennoch nicht verkneifen. Es sind jedoch weniger die aufgezählten Eigenschaften, die Ali Butt für seinen Verein zum Juwel machen, sondern vielmehr die Tatsache, dass der Wehrheimer sich nun zum zweiten Mal in seiner Sportart Dart den Titel „Hessenmeister“ geholt hat.

45 Zentimeter Durchmesser hat die Scheibe, die in aller Regel aus Kork besteht, und auf der die kleinen und großen Felder verschiedene Punktzahlen haben. Und wenn Ali Butt mit einem – international festgelegten – Abstand von 2,37 Meter mit der Scheibe Auge in Auge steht, ist volle Konzentration angesagt: Das Gesicht ernst, die Umwelt ausgeblendet, den spitzen Pfeil in der Hand, so steht der Hessenmeister der Junioren jeden Freitag im Sportlerheim Wernborn. Von 18 Uhr an ist Training angesagt. Seit zwei Jahren wirft Butt die Pfeile. Die Liebe zu diesem Sport hat er zufällig entdeckt. Die Wernborner Dartspieler hängten ihre beiden Scheiben vor zwei Jahren im Nebenraum der Gaststätte Usaklause auf. „Damals hatte mein Vater die Gaststätte noch“, erzählt Ali Butt. Und so war es nur ein kleiner Schritt zum ersten Wurf. Der Sport begeisterte ihn von der ersten Minute an. Den Trainingsraum im Haus, spielte er in den Ferien so manche Nacht durch, und nutzte auch sonst jede freie Minute zum Üben. „Übung macht den Meister gilt vor allem im Dartsport“, sagt Urbano. „Es dauert Jahre, bis man wirklich gut ist, die Profis sind meistens 50 Jahre aufwärts.“ Gut ist Butt jetzt schon, auch in der Schule. Denn vor allem schnelles Rechnen ist beim Dart ebenso wichtig wie Konzentration. „Im Plus- und Minus-Rechnen bin ich der schnellste der Klasse“, verrät er.

Profi möchte der 15-Jährige gern werden. Ein Vorbild hat er auch schon: Phil Taylor, 16-facher Weltmeister. 1960 geboren, wurde er in den 80er Jahren in einem Pub entdeckt. Bis an die Weltspitze ist es noch ein weiter Weg. Doch ein paar erfolgreiche Zwischenstationen kämen Ali Butt auch schon recht. Nachdem er im vergangenen Jahr hessischer Schülermeister wurde, eine Zeitlang auf Rang 11 der deutschen Rangliste war und nun Junioren-Hessenmeister wurde, hat er vor ein paar Tagen nur knapp den Titel des Deutschen Meisters verpasst. „Anfangs hab ich 2 : 0 geführt und am Ende dann doch 2 : 3 verloren“, erzählt er. Woran es gelegen hat, weiß er allerdings nur zu gut: Die Nerven, die sind Butts Achilles-Verse. „Man muss ganz cool bleiben, darf dem Gegener nicht zeigen, dass man sich ärgert, das macht ihn stark“, beschreibt Butt die Situation. Und das schaffe er oftmals nicht. „Daran muss ich noch arbeiten“, bringt er es auf den Punkt. Dennoch, das nächste große Ziel hat Ali Butt schon vor Augen: 2012 will er zum Auftakt der Olympischen Spiele in London antreten. Dabei wird Dart als Demonstrationsportart gezeigt, und Ali will eine Medaille gewinnen. Allerdings wird er für Pakistan antreten, da er noch keine deutsche Staatsbürgerschaft hat. „Sobald ich 20 werde, will ich den deutschen Pass beantragen“, sagt er. Und dann für sein Geburtsland antreten. Nach seinem absoluten Wunschtraum gefragt, kommt wie aus der Pistole geschossen: „Im Jahr 2020 gegen Taylor spielen.“ Ob das funktioniert, ist jedoch mehr als ungewiss. Sicher ist nur eines: Sein Verein und seine Eltern stehen voll hinter ihm. Alle wollen sie, dass er noch erfolgreicher wird und das „Juwel“ eines Tages tatsächlich an der Weltspitze stehen wird.