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Schwarze Füße, weißes Herz

Letzte Wiederaufnahme des Freilichttheaters im Hessenpark

Neu-Anspach. An der Kreisstraße 6 im Dörfchen Breitenbach steht ein Haus, an dem das Wirtschaftswunder der 1950er Jahre vorbeizurauschen scheint. In dem altehrwürdigen Mietshaus wohnen auf engstem Raum Menschen, die das launische Schicksal in Kriegs- und Nachkriegszeiten gehörig gebeutelt hat. Knatternde Mopeds, zeternde Nachbarn, die Musik der 1950er Jahre und Menschen, die gegen ihre eigene Perspektivlosigkeit ankämpfen – das Museumstheater nimmt die Zuschauer am 26. Mai um 13 und um 16 Uhr (weitere Termine: 25. Juni und 10. Juli) mit auf eine Reise in die Nachkriegszeit. In der Kreisstraße 6 versetzt ein ominöser Koffer die Bewohner in Aufruhr. Der launige Postbote, der traumatisierte Kriegsheimkehrer, das Waschweib aus dem Erdgeschoss, ein verzweifeltes Flüchtlingspaar und andere Nachbarn werden auf eine harte Probe gestellt …

Das Freilichttheater „Schwarze Füße, weißes Herz – Mietshausgeschichten 1957“ wurde in Anlehnung an die Geschichte des Hauses aus Breitenbach entwickelt. Das 1991 in Breitenbach abgebaute und 2013 im Freilichtmuseum Hessenpark wieder eröffnete Gebäude bietet nicht nur die Kulisse des Theaters. Die dokumentierten Lebensgeschichten der Bewohner bilden die Grundlage für die Charaktere, die das Museums- theater auftreten lässt. Die erzählte Geschichte ist jedoch fiktiv. Bei der Entwicklung des Stücks ging es darum, in Momentaufnahmen typische Schicksale aus den 1950er Jahren zu beleuchten und diese zu einem Stück deutscher Nachkriegsgeschichte zu verdichten.

Entstanden ist eine Geschichte, die berührt, unterhält und zum Nachdenken anregt. Das Museumstheater lässt eine Epoche wieder lebendig werden, die im Allgemeinen mit Aufschwung und Wirtschaftswunder gleichgesetzt wird, die aber – wie wir hier erleben – noch ganz andere Facetten aufweist.