Neu-Anspach ist das Drehkreuz der Radler – Radtourismus im Hochtaunuskreis – Vom Weiltalweg bis zum Limesradweg:Usinger Land. Sprach man vom Hochtaunuskreis, fiel dem lokal orientierten Radtouristen bisher vor allem der Weiltalweg ein. Über mehrere Jahre war dieser Weg trotz einiger immer wieder kritisierter Wegstücke das hiesige Zugpferd in dem boomenden Bereich des Fahrradtourismus. Doch die Dinge beginnen sich zu wandeln. Vor einigen Jahren kam der Limesradweg dazu, der im Hochtaunuskreis von Ziegenberg im Usatal kommend am Munitionslager bei Wehrheim vorbei auf der Taunushöhe über die Saalburg, den Sandplacken und das Rote Kreuz führt und nach Glashütten den Hochtaunuskreis wieder verlässt. Allerdings ist er topografisch sehr anspruchsvoll und hinsichtlich der Wegführung und -qualität nicht optimal. Der ADFC Hochtaunus hat dies in der ersten ADFC-Befahrung 2006 ausführlich dokumentiert und das Ergebnis im Internet zum Abruf bereitgestellt. In einem Gespräch mit dem neuen Landrat des Hochtaunuskreises im Februar wurde dieses Thema ebenfalls angesprochen und interessiert aufgenommen. Der Limes ist Weltkulturerbe und der Limesradweg erhält dadurch herausragende Bedeutung. Bei entsprechenden Bemühungen kann er sein Publikum im sportlich und kulturell anspruchsvollen Radtouristen finden – eine Kombination, die es nur sehr selten gibt. In Kürze gebaut wird der Usatalweg. Das besonders kritische Stück zwischen Usingen und der Kreisgrenze durch das Usatal hat sich die Stadt Usingen vorgenommen. Über 600000 Euro sind für den vom Land Hessen geförderten Ausbau vorgesehen. Der Usatalweg wird bis auf sehr kurze Stücke in Asphaltbauweise hergestellt und das Usinger Becken mit der Wetterau verbinden. Auch für den Neu-Anspacher Abschnitt hat das Land Hessen inzwischen ein grundsätzliches Förderangebot unterbreitet. Hierdurch schließt der Usatalweg über den Neu-Anspacher Ortsteil Anspach an den Weiltalweg bei Schmitten-Brombach an. „Der Usatalweg hat in dem vorgesehenen Ausbaustandard das Potenzial, den Weiltalweg zu überflügeln.“, so der ADFC-Projektleiter Stefan Pohl, „Das gilt besonders für den Abschnitt von der Wetterau bis nach Usingen und auch darüber hinaus – wenn es gelingt, einen durchgehenden sehr guten Ausbaustandard über Neu-Anspach bis in das Weiltal zu erreichen.“ Doch damit noch nicht genug: Das Netz interessanter Radrouten durch die Täler des Usinger Landes ergänzt der ebenfalls geplante Erlenbachweg – eine Idee, die vom ADFC Hochtaunus stammt. „Dieser Weg ist bereits vollständig vorhanden und verläuft weitgehend auf asphaltierter und in kürzeren Abschnitten auf sehr guter wassergebundener Oberfläche – und ist vor allem sehr steigungsarm“, so Pohl. Die Idee sieht vor, beginnend von der Mündung des Erlenbaches bei Bad Vilbel-Massenheim am Niddaradweg eine flache Verbindung über Friedrichsdorf durch das Köpperner Tal nach Wehrheim und weiter bis Neu-Anspach herzustellen. Eingebunden sind touristisch hochinteressante Ziele wie die Lochmühle und der Hessenpark. In Neu-Anspach wird danach über ein kurzes Verbindungsstück eine Verknüpfung zum Usatalweg und damit auch zum Weiltalweg geschaffen. Zusätzlich ist nach merklich ansteigendem Gelände bis zur Erlenbachquelle hin ein weiteres kurzes Verbindungsstück zum Limesradweg im Abschnitt zwischen der Saalburg und dem Sandplacken vorgesehen. „Aus Sicht des Fahrradtourismus ergibt sich aus diesen einzelnen Fahrradrouten ein schlüssiges radtouristisches Gesamtkonzept“ führt Pohl aus. Der Weiltalweg erschließt dabei den Taunus von Norden her ab dem bereits stark frequentierten Lahntalradweg. Der Usatalweg stellt die östliche Verknüpfung in die Wetterau her, der Erlenbachweg in südöstlicher Richtung in die Rhein-Main-Region. Zusammen kommen alle drei Wege auf engstem Raum im Bereich Anspach – Brombach. Zusätzlich kann der Höhenzug des Taunus über das Rote Kreuz, bei Bedarf mit Hilfe des Weiltalbusses, überwunden werden. „Den Radtouristen locken so in naher Zukunft attraktive regionale Querverbindungen zwischen Lahn, Main und Wetterau durch den Taunus“ resümiert Stefan Pohl. Das radtouristische Potenzial dieser sanften Naturnutzung wird vom ADFC Hochtaunus bedeutend höher eingeschätzt als die bisherige Einzellösung, die im Grunde nur aus dem Weiltalweg besteht. Ergänzt wird diese Konzeption regionaler Radrouten durch die geplanten bzw. teilweise bereits umgesetzten 14 Rundrouten im Hochtaunuskreis. Die Idee, einige bestehende Rundrouten auf den gesamten Kreis auszudehnen, ist ebenfalls vom ADFC Hochtaunus weiter ausgearbeitet worden. Die Rundrouten sind dabei nicht nur untereinander verknüpft, sondern haben immer wieder gemeinsame Strecken mit den geschilderten Hauptrouten entlang von Erlenbach, Usa und Weil. Auch hinsichtlich der Bemühungen der Hessischen Landesregierung zur Optimierung der Hessischen Radfernwege sieht der ADFC dieses Konzept als ideale Ergänzung an. Denn die Hessischen Radfernwege umrahmen den Hochtaunuskreis bis auf den Radfernweg Nummer 6, der durch den nördlichen Taunus führt. Im Süden findet sich der Hessische Radfernweg R3 (Main – Kinzig), im Osten der R4 (Frankfurt – Wetterau – Niddaradweg – Vogelsberg), im Norden der R7 (Lahntalradweg) und im Westen der R8 (Limburg – Bad Camberg – Idstein – Frankfurt). Zu all diesen Radfernwegen sieht das Radroutennetz im Hochtaunuskreis ausgeschilderte Verknüpfungen vor. Der ADFC Hochtaunus wird sich weiter dafür einsetzen, diese Idee des Gesamtkonzeptes umzusetzen und vor allem die Wege entlang von Flüssen im Hochtaunuskreis zu Premium-Routen weiter zu entwickeln. Dabei kommen dem Ausbaustandard und der Beschilderung aus Sicht des ADFC erhebliche Bedeutungen zu. Zur Unterstützung dieses Vorhabens erarbeitet der ADFC maßgeblich die flächendeckende Fahrradroutenbeschilderung im gesamten Kreisgebiet. Der Hochtaunuskreis erhält dabei die integrierte Gesamtplanung unter Berücksichtigung der genannten Fluss- und Rundrouten vom ADFC „aus einer Hand“ in ehrenamtlicher Arbeit. Mit der weiteren Ausschilderung wird seitens des ADFC allerdings frühestens Anfang 2008 gerechnet, weil es beim Hochtaunuskreis Verzögerungen bei der Beantragung von Fördermitteln beim Land Hessen gibt. Auch das vom ADFC organisierte „2. RadForum Hochtaunus“ wird diese radtouristische Gesamtkonzeption als Schwerpunkt behandeln. Die Planungen hierfür laufen beim ADFC auf vollen Touren, vorgesehen ist die Tagung in Usingen im Spätsommer oder Frühherbst 2007. Wobei natürlich beabsichtigt ist, die Ergebnisse der ADFC-Befahrung des Weiltals bei dieser Veranstaltung offiziell zu vorzustellen.
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